a.z. Sie ist in den letzten Jahren mehrfach aufgefallen: die 1964 geborene, in Basel wohnhafte Künstlerin Dorothea Trapp. 1992 war es die freche Arbeit «halb», die sie zusammen mit Roland Herzog an die Jahresausstellung im Kunsthaus brachte: entzwei gesägte Möbel, die eine Hälfte oben, die andere im unteren Stock. 1993 erhielt sie einen Förderungsbeitrag des Aargauischen Kuratoriums: «Das subtile Bildvokabular Dorothea Trapps leuchtet in eine zynische Welt der Konvention hinein.» Gemeint war unter anderem eine Arbeit, die nun auch in der ersten Einzelausstellung im «Goldenen Kalb» hängt: rund ausgeschnittene Zeitschriftenbildchen von – erst bei näherem Hinsehen erkennbar – Brüsten junger Frauen, die wie «Petit-Fours» auf weisse Scherenschnitte, die wir als «Kuchenunterlagen» von der Confiserie her kennen, genäht sind. Nach einem Gespräch mit der Künstlerin scheint es allerdings, dass die «zynische» Motivation mit einem gehörigen Schuss erotischer Lust gepaart ist. Das gilt wohl auch für die überraschenden Arbeiten, die Dorothea Trapp 1994 wiederum einen Förderungsbeitrag des Kuratoriums eintrugen: Eine Reihe von Porträts junger Models» – sie sind im «Goldenen Kalb» ausgestellt –, teils trocken auf Leinwand gemalt, teils als Reliefs in fast weisses chinesisches Porzellan eingeschrieben und von hinten mit einer Neonröhre beleuchtet. Zu sehen ist jeweils nur das helle, gepudert wirkende Gesicht bis zum Haaransatz und den Ohren, alles andere verschwindet in der hellen oder dunklen Umgebung.
Betont sind vor allem die Augenbrauen, die Augen und der Mund – also jene Zonen, die primär für sinnliche Schönheit stehen. Die Frauen wirken unecht, als «Schönheiten» mumifiziert. Das ist durchaus Absicht der Künstlerin, die der Anziehungskraft und der Künstlichkeit zugleich Ausdruck geben will. Nicht nur in der Verwendung von «gläsern» wirkendem Porzellan als Sinnbild für Fragilität, auch in weiteren Arbeiten überrascht der feine Sinn der Künstlerin für Materialien, welche ihre Intentionen verstärken: Da sind zum Beispiel drei «Würfel» an der Wand, deren Oberfläche so dicht als möglich mit Wachsabgüssen von Fingerbeeren bestückt sind. Die wie «Noppen» wirkenden Finger stehen – ohne dass die Künstlerin das so explizit benennen könnte – wohl sinnbildlich für die taktile Lust am Berühren und Spüren, die jedoch zurückgebunden ist in die kubische Form der Arbeit und damit in den gespannten Zustand der Erwartung. Und dies weidet die Künstlerin auch im kitschigen Bild eines sich im Malfeld verhalten aufbäumenden Pferd à la Federica de Cesco aus, wobei die Aussage der Künstlerin: «Mir gefällt das heute noch» wiederum den Grat zwischen den eigenen und den bewusst klischierten Sehnsuchtsbildern antippt. (Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 11.30 bis 18.30 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr.)
Porträt von Dorothea Trapp: «Schönheit» zwischen erotischer Lust und wächserner Künstlichkeit.
Foto: az